Patient Blood Management (PBM)

Patient Blood Management ist ein klinisches, multidisziplinäres und patientenzentriertes Behandlungskonzept zur Reduktion und Vermeidung von Anämie und Blutverlust sowie zum rationalen Einsatz von Blutprodukten. Dies zielt darauf ab, die Sicherheit und den Heilungserfolg des Patienten zu verbessern. Im operativen Bereich werden bei längerfristig geplanten Operationen, die ohne gezielte Massnahmen regelmässig zu Bluttransfusionen führen, die folgenden 4 Behandlungsschwerpunkte gesetzt:

1. Eine präoperativ bestehende Anämie (Blutarmut) wird gesucht und behandelt

Evaluation und Behandlung der präoperativen Anämie

Bei Patienten, bei welchen eine Operation längerfristig geplant ist, die ohne gezielte Massnahmen regelmässig zu Bluttransfusionen führt, wir eine möglicherweise bestehende präoperative Anämie gemäss dem untenstehenden Schema abgeklärt und behandelt.

Bei sehr grossen Operationen, bei denen mit einem Blutverlust von mehr als 1'000 ml oder einem Hb-Abfall von über 30 g/L gerechnet wird, behandeln wir bereits einen vorbestehender Eisenmangel auch wenn dieser noch ohne manifeste Anämie einhergeht. Die Behandlung besteht aus der intravenösem Eisengabe (grüne Schiene im Schema).                                                                                                                                          PBM.png

2. Der intra- und postoperative Blutverlust wird minimiert

Minimierung des perioperativen Blutverlusts

  1. Akute normovolämische Hämodilution in ausgewählten Fällen
  2. Aufrechterhaltung der Normothermie
  3. Sorgfältige chirurgische Blutstillung
  4. Maschinelle Autotransfusion
  5. Vermeiden und sofortige Behandlung einer Koagulopathie. Dazu wird die Blutgerinnung engmaschig mittels ROTEM®, Multiplate® und gezielten Laborwerten überwacht und anhand eines Gerinnungsalgorithmus (LINK) mittels Antifibrinolytika, Gerinnungsfaktoren und Blutprodukten individuell und zielgerichtet korrigiert.
  6. Gezielt wird eine knappe Volämie und ein eher tiefer Blutdruck angestrebt
3. Die Anämie-Toleranz wird verbessert

Verbesserung der Anämie-Toleranz

  1. Restriktive Hb-Transfusionsschwellen werden patientenadaptiert angewendet. Dazu dient ein Transfusions-Algorithmus (LINK).
  2. Hohe FiO2 von 80 – 100% werden angewendet um die Oxygenierung und die O2 Abgabe an die Gewebe zu verbessern.
  3. Situationen mit sehr hohem O2-Verbrauch werden vermieden.
4. Blutprodukte werden gezielt und zurückhaltend eingesetzt.

Gezielter und restriktiver Einsatz von Blutprodukten

  1. Restriktive Hb-Transfusionsschwellen werden patientenadaptiert angewendet. Dazu dient ein Transfusions-Algorithmus (LINK).
  2. Thrombozyten- und Plasma-Transfusionen werden ausschliesslich gemäss dem Gerinnungs-Algorithmus angewendet (LINK)

 
Bei nicht längerfristig geplanten Operationen kommen die Behandlungsprinzipien 2 – 4 zum Einsatz.

Fernsehdokumentation zum Patient Blood Management:

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